heulen

Im Laufe des Nachmittags hab ich mich ganz gut gefangen – so dass es mir gegen Abend dann auch wieder ganz gut ging.

Also bin ich los zum Gebetskreis – trotz der Schneelage draußen. Schritt für Schritt tastete ich mich vor und freute mich darüber, dass es doch recht gut ging – sowohl des Schnees als auch des Knies wegen.

Konsequent die Schuhspikes an (anders würd ich es nicht schaffen) komm ich glücklich wieder zu Hause an, zieh die Schuhspikes aus und leg die Krücken zur Seite und will grade ins Bad um mich umzuziehen als ich ausrutsche – die Schuhe noch naß vom Regen rutsche ich mit dem linken Bein weg, das Knie verdreht sich nach außen und innen und ich liege auf dem Boden – und kann nur noch heulen.

Zum einen ist da der Schmerz, doch der ist nicht mal der Auslöser für die Tränen, es ist die Angst – gekoppelt mit dem Schmerz, das daliegen und nicht wissen wie ich wieder hoch kommen soll und diese Angst von damals – als ich da auf dem Feldweg lag im Schnee vor vielen Jahren.

Es dauerte eine Weile bis ich mich wieder etwas beruhigt hatte und erstmal eine Bestandsaufnahme machen kann. Aufstehen geht nicht (ok das ist auch ohne verdrehtem Knie nicht so einfach vom Boden) – also robbe ich zum in der Nähe stehenden Stuhl und hieve mich hoch.

Typische Bandsache – nach dem im ersten Moment heftigen Schmerz lässt er erstmal etwas nach, ich humple zu den Krücken und geh dann damit erstmal ins Bad. Solange ich das Bein gerade aufsetze geht es auch schmerztechnisch mittlerweile wieder gut – würde auch ohne Krücken gehen, doch die Angst steckt mir noch in den Knochen, so humple ich halt damit durch die Gegend.

Immer noch gegen die Verzweiflung ankämpfend – die sich Bahn bricht, obwohl es für das Knie nach der Bestandsaufnahme ja nicht so schlecht aussieht.

Ein „ich hab es so satt!“ schleicht sich ein und endlich guck ich mir das Knie an. Ein bisschen geschwollen, nicht arg viel, der Schmerz in Ruhe erträglich, eher in kleinen Wellen – zumindest solange ich das Knie grade halte – ganz gerade strecken geht nicht – aber ich komm auf gut 90 Grad beim Anwinkeln – also kein Blockieren wie das letzte Mal.

Der Kopf sagt: war das letzte Mal schlimmer und haste auch überstanden, das Gefühl dreht durch – ist in der Verzweiflung von damals drin und für verstandesmäßige Einwürfe nicht zu haben.

Ok – es war alles etwas viel heute – doch was bitte soll das mit dem Knie jetzt? Warum ist es mit Sturz und Verdrehen so viel schlimmer für mich?

Im Moment kann ich nicht sagen ob Innen- oder Außenband – es tut innen weh und ist außen dick und geschwollen. Irgendwelche Versuche das näher rauszufinden gehen grad gar nicht. Diesmal gibt es sogar noch – wenn auch nur sehr kurz – die Überlegung ins KH zu fahren – doch die Angst vor der Untersuchung, dem Schmerz, der Dreherei und Biegerei (von der Anfasserei ganz abgesehen und dem genervten Getue des Pflegepersonals und der Ärzte – die ja auch Recht haben – mehr als ruhigstellen und einem Salbenverband machen die auch nicht – das kann ich auch alleine) lässt mir wieder Tränen in die Augen steigen – ich schaff das im Moment einfach nicht.

Es bricht sich einiges Bahn – die ewigen Schmerzen – was gäbe ich für fünf Minuten ohne Schmerzen! Einfach mal tun und lassen können was ich möchte. Nicht immer Rücksicht nehmen müssen auf Einschränkungen und Folgen. Ich mag einfach nicht mehr!

Das Knie puckert nur noch so vor sich hin – solange ich es nicht bewege oder belaste (wobei nur das be– und entlasten das Problem sind – dann drauf stehen tut nicht viel mehr weh als eben nicht drauf stehen) – trotzdem – es ist im Rahmen – Glück gehabt – hoffe ich, denn mit etwas Glück ist das in wenigen Tagen wieder ok. Wirklich feststellen ob das so ist, werde ich morgen früh.

Es gibt sie – die Momente, wo ich am liebsten mit einer Axt das Bein abschlagen würde, weil ich die ewigen Schmerzen einfach nicht mehr ertragen will. Jetzt ist es grad so einer.

Dabei bin ich mir durchaus bewusst dass ich grad total überreagiere – völlig irrational und hysterisch bin. Nur das Knie mit einer Sportsalbe einschmieren (wobei die ist glaub ich alle – aber egal) und mit der Bandage etwas stabilisieren – und gut ist. Selbst das Stabilisieren ist mehr für die Psyche – und der Angst in der Nacht es wieder zu verdrehen (ich schlafe ja so extrem unruhig und wälze mich hin und her ohne Ende) – der Angst vor dem plötzlichen Schmerz der reinschießt bei der falschen Bewegung.

Sie ist da – die Angst vor morgen, dem evt. feststellen müssen, dass es doch nicht nur leicht überdehnt ist und in wenigen Tagen wieder ok.

Völlig unverständlich – vor 3 Wochen (genau sogar) hab ich ohne erkennbaren Grund ein blockierendes Knie, das die doppelte Größe annimmt und schmerztechnisch sich nach Bändern anfühlt (so wie die sich halt nach einem Tag oder so anfühlen, also nicht die Schmerzentwicklung an sich) – das erst etwas besser wird um dann schlimmer zu werden und irgendwann nach knapp zwei Wochen sich innerhalb weniger Tage recht gut erholt. Schmerztechnisch war das bei weitem Schlimmer – doch es hat deutlich weniger Angst ausgelöst – mehr Wut, Fassungslosigkeit und Widerwillen – aber nicht Angst.

Selbes Knie und ein Verdrehen mit erst scharfem Schmerz, der dann nachlässt – und ich dreh hier völlig ab – trotz der Feststellung von „ist ja nicht so schlimm“.

Was so ein Verdrehen und sozusagen „Wiederholen“ des Schmerzempfindens, der Entwicklung – so ausmacht – schon erstaunlich was es da so für Bahnungen im Gehirn gibt.

Im Endeffekt ist es nichts anderes als ein Flashback – denn das was mir zu schaffen macht ist die Angst von d
amals – vor dem (wiederholten) Sturz und der endlos langen Zeit in der es einfach nicht besser werden wollte, der Fallangst die sich da extrem entwickelte und natürlich auch der Angst vor dem Schmerz an sich.

Ich kann drei Jahre mit offener Wurzel im Zahn rumlaufen – höllische Zahnschmerzen – doch damit komm ich besser klar als mit diesem popeligen Schmerzchen das aktuell im Knie ist.

Seit vielen Jahren leb ich mit Schmerzen, kenne das „Zähne zusammenbeissen“ ebensogut wie eben das Leben damit – doch so ein popeliges Verdrehen des Knies und deshalb Puckern darin – lässt mich schier verzweifeln.

Ich weiß dass ich verrückt bin – aber ganz ehrlich: ich hab es echt satt!

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