Frust am Morgen

Schlafen ist zur Zeit – nun ja – sagen wir mal – anstrengend.

Träume, die mittlerweile nicht mehr so klar sind, aber wohl in die Kerbe „Kindheit“ schlagen und mich dann nur verwirrt aufwachen lassen. Träume die elend lang sind – und wenn ich wach bin und dann wieder einschlafe – weitergehen. Träume, die mich dann morgens aufwachen lassen und das Gefühl hinterlassen: „lasst mich doch bloß alle in Ruh!“ – die ein „zu viel“ hinterlassen.

Und Frust.

Denn letzte Woche konnte ich gut auftanken – und heute sitze ich schon wieder da und denke „lasst mich alle bloß in Ruh“ – was nicht nur an den Träumen liegt.

Wenn ich so überlege – hab ich für mich schon sehr viel gemacht, aber im Gesamten eher nicht:

Am Montag war ich einkaufen, dann noch bei der Bank und am frühen Abend haben wir zwei Stunden hier in der Wohnung gemacht (und richtig viel geschafft!) – sonst aber Ruhe (ok – eher zwangsverordnet, aber trotzdem)

Gestern war ich in der Tischlerei und hab da eher rumgegammelt, denn so richtig gearbeitet hab ich wenig – war auch nur 3 Stunden, dann hatte ich einen Termin in der Ambulanz, da haben wir auch nur über die Texte geredet. Im Anschluss etwa 15 Min hier die Boden leer geräumt (oder auch nur 10 Minuten – keine Ahnung) – danach hab ich gekocht – die Schnitzel und den Krautsalat – und das Zeug gleich abgewaschen.

Mal ehrlich – jeder „normale“ und gesunde Mensch macht das tagtäglich und geht dazu noch zur Arbeit oder hütet Kinder (letzteres finde ich deutlich anstrengeder).

Doch ich sitz hier und – am frühen Morgen (und ich bin kein Morgenmuffel) und hab das Gefühl von „lasst mich alle bloß in Ruhe – und wehe jemand will was von mir!“.

Dieser Satz – ist immer in sehr deutliches Warnzeichen für mich – dass ich an der Grenze angelangt bin, dass ich jetzt sehr aufpassen sollte.

Noch kommt dieser Satz nur punktuell auf – nicht häufig oder ständig – also bin ich kurz vor der Grenze. Doch heute steht der Großeinkauf an (der schon drastisch reduziert wurde, da ich leider in den alten Wohnort fahren muss um eine Medikament zu holen – und dieser alte Wohnort ist für mich immer noch mit der Hölle verknüpft, die ich die letzten drei Jahre dort erlebt hab – und damit ein Trigger pur) – dann Ruhe und morgen nochmal eine Räumaktion (noch dazu eine anstrengende – nämlich die Böden – alle vier).

Es wird gehen, doch der Satz wird noch häufiger aufkommen und irgendwann werde ich dann über die Grenze gelatscht sein und wie ein Häufchen Elend in der Ecke sitzen und einfach nicht mehr können (Gott sei Dank ist Fr Feiertag und das WE steht auch bevor).

Der Frust ist, dass ich zwar einerseits sehen kann, dass ich für mich echt viel geschafft hab in den letzten Tagen und dass mir schon klar ist, dass die Psyche grad auf Hochtouren läuft und schwerstbeschäftigt ist mit dem alten Mist, mit den Erinnerungen, Flashbacks und vor allem Körpererinnerungen, dass ich auch sehen kann, dass ich dafür erstaunlich fit bin und gut mit umgehen kann und es trotz Feiertage und ausfallender Therapie erstaunlich gut geht usw – anderseits sehe ich auch, dass ich aufgetankt und tatenfreudig in diese Woche gerauscht bin – und nach zwei Tagen der Tank schon auf Reserve umschalten muss.

Und zu wissen, die nächsten zwei Tage muss diese Reserve reichen – denn ich kann zwar mal einen Liter oder so nachtanken, aber mehr geht grad nicht. Es geht also – wieder einmal – um ein haushalten, damit ich grade so über die Runden komme.

Im Moment bin ich einfach unglaublich gefrustet – klar weiß ich, dass man heute keine Rente mehr bekommt „wenn man sich nur doof genug anstellt“ – sondern eine Erkrankung dahintersteht – und dass ich dadurch einfach deutlich weniger machen kann, sehr viel schneller erschöpft bin (körperlich und psychisch) und deshalb mit den Kräften sehr gut haushalten muss.

All das weiß ich – immerhin leb ich damit schon eine ganze Weile.

Und doch gibt es die Momente, wo mich das einfach nur frustet und ich einfach keine Lust mehr habe.

Keine Lust ständig gegen innere Dämonen anzukämpfen, keine Lust auf ständige Schmerzen, keine Lust mir immer diese Ruhephasen zu können, keine Lust da ständig auf die Bedürfnisse meines Körpers einzugehen usw.

Kann das Sch…-Ding nicht einfach funktionieren? Kann ich die Vergangenheit nicht einfach mit einem Knopf abschalten und dann ist da mal Ruhe? Ich hab einfach keinen Bock mehr, dass das alles mein Leben heute so sehr beeinflusst, so sehr im Griff hat.

Ist es so sehr zu viel verlangt, wenn ich einfach nur „normal“ leben will, arbeiten können, eine Aufgabe haben, einen Freundeskreis, eine Partnerschaft? Ich arbeite nun wirklich ständig an mir – wird das irgendwann mal ein Ende haben und abgehakt sein?

Ich bin einfach müde.

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