Danke III

aber auch:

Danke –

– für die Erinnerungen – auch wenn sie heftig sind und meist schwer auszuhalten, sind sie Puzzlestücke, die mir mein Leben zurückgeben

– für die Gefühle – auch wenn sie manchmal eher wie eine Flutwelle über mich kommen, zeigen sie mir doch, dass ich lebe – und mich auf dem richtigen Weg befinde

– für die Schmerzen – so sehr sie mich oft auch einschränken, schenken sie mir auch die Möglichkeit kleine Dinge nicht als selbstverständlich anzusehen und sie schätzen zu lernen

Für diese Dinge zu danken ist ungleich schwerer. Doch meine Vergangenheit hat mich zu der gemacht, die ich heute bin. Das betrifft sowohl meine Kindheit als auch meine Erkrankungen und Schmerzen. Sie sind ein Teil von mir – und sie haben mich stärker gemacht. Ohne sie – wäre ich nicht ich.

Das heißt nicht, dass es mir anders nicht lieber gewesen wäre, doch die Vergangenheit kann ich nicht ändern.

Aber ich kann daran arbeiten die Bewertung zu ändern, es zu integrieren, dass es irgendwann nicht mehr mein heute beherrscht. Das wird keine Entschuldigung für jemanden sein, das wird auch das was passiert ist, nicht weniger schlimm machen – aber es wird die Auswirkungen verändern, es wird irgendwann Vergangenheit sein.

Es werden irgendwann Narben sein – und nicht mehr klaffende und schmerzende Wunden.

Und diesen „Heilungsprozess“ spüre ich sehr deutlich.

Das ist mein größtes Weihnachtsgeschenk – die Gewissheit, dass ich das überleben werde und irgendwann nur noch Narben zurückbleiben werden. Denn das ist neu für mich – noch vor einem Jahr war nicht sicher ob ich das überleben werde.

Ein Heilungsprozess – wie schmerzhaft auch immer – ist etwas positives, wenn man weiß, dass es eben auch heilt und irgendwann gut wird.

Ich bin also dankbar, dass es kein Bangen mehr gibt ob ich das überlebe, schaffe, sondern eine Gewissheit da ist, dass ich schaffen werde.

Wegen dieser Gewissheit kann ich die Erinnerungen und Gefühle ertragen und mich ihnen bewusst stellen.

Und wegen dieser Gewissheit bin ich dankbar für die Erinnerungen und Gefühle – denn sie sind ein Teil des Heilungsprozesses.

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