Körpererinnerungen

Aktuell plagen mich viele Körpererinnerungen. Das sind Erinnerungen des Körpers aus früher Zeit, die jeder hat.

Kinder, die missbraucht werden, speichern diese Erinnerungen anders ab. In diesem Moment wird nicht zwischen „wichtig“ und „unwichtig“ sortiert, alle Eindrücke prasseln sozusagen ungefiltert ins Gehirn. Und dort werden sie dann verarbeitet, leider so unsortiert.

Bei mir ist es so, dass diese Erinnerungen als Körpererinnerungen auftauchen. Das zeigt sich dadurch, dass ich in diesem Moment das so spüre, als würde es grade jetzt passieren. Ich spüre die Hand auf mir, die mich damals festhielt oder streichelte, ich spüre den Atem in meinem Gesicht und ich spüre den Schmerz. So als würde es genau in diesem Moment passieren.

Der Körper reagiert so, als würde es genau jetzt passieren – und ich kann nichts dagegen tun.

Es heißt Körpererinnerungen sind die „ehrlichsten“ Erinnerungen, die nicht verfälscht sind oder verwischt, da es eben nicht über den Kopf läuft.

Es ist wie das mit dem Fahrradfahren – selbst wenn man viele Jahre nicht gefahren ist, kommt man schnell wieder rein, denn der Körper erinnert sich, hat die Bewegungen usw verinnerlicht. Das läuft nicht über den Verstand – sondern über den Körper.

So ist es auch mit den Körpererinnerungen, man spürt den Missbrauch ganz deutlich – als würde er in diesem Moment passieren. Immer und immer wieder.

Im Moment ist es so, dass ich damit wieder deutlich mehr Probleme habe. Die Intensität ist unterschiedlich – von sehr heftig bis nur am Rande da (aber eben da). Gott sei Dank gelingt es mir zur Zeit sehr gut, da wenigstens gegenzusteuern, wenn es auftritt, es dann wegzupacken bzw mit Skills wieder „wegzukriegen“ – das klappt auch sehr schnell, sodass ich im Moment nicht stundenlang in diesem Körpergefühl „gefangen“ bin, sondern es nach wenigen Sekunden oder Minuten auch wieder beenden und wegpacken kann.

Es ist zur Zeit also gut handhabbar (und ich kenne da Zeiten, wo das gar nicht der Fall war), aber es ist auch kraftraubend und bedeutet für mich, dass ich die nächsten Tage bewusster wieder auf Auszeiten achten muss und darauf, dass ich mir Gutes tue und bewusst Zeit für schöne Dinge nehme.

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