schlaflos und Therapieansätze

Da lieg ich nun im Bett – bin hundemüde, völlig alle und kaum mach ich das Licht aus bin ich wieder hellwach. An Schlafen ist nicht zu denken.

Die rechte Hand hat sich nun doch für die Sehnenscheidentzündung entschieden (und auch gleich so richtig, da gibt’s für mich ja Abstufungen von: muss ich halt schonen über schonen mit Verband bis sehr schonen mit Schiene – ich hasse diese Schienen, dabei hab ich schon gute – aber sie schränken halt sehr ein – aktuell bin ich bei Schienen-Intensität grummel) – was bedeutet ich kann die Tischlerei morgen eher im Pausenraum verbringen.

Mir geht allerlei durch den Kopf.

Ein Ansatz der Traumatherapie ist es, die Kinder von damals (sozusagen mich als Kind in der damaligen Siutation) in Sicherheit zu bringen. Also eine schlimme Situation (bei mir als Bsp. Missbrauch) aufzugreifen und dann dieses Kind an einen sicheren Ort zu bringen – in der Regel ein Haus in dem es versorgt wird von Personen/Fantasiegestalten die speziell für dieses Kind da sind und alle Bedürfnisse dieses Kindes erfüllen – sozusagen der ideale Ort.

Mit diesem Ansatz hatte ich immer so meine Probleme. Ich wollte mit diesen Kinder nichts zu tun haben, nicht mal wissen wo sie sind und auch nicht wer sie versorgt – ich wusste sie werden ideal versorgt – das reichte.

Aktuell greifen wir ja auch Missbrauchssituationen auf und es geht um diese gefühlsmäßige Verbindung – von der Erwachsenen die ich heute bin zu diesem Kind von damals. Außerdem geht es um die Gefühle dazu – sowohl die Gefühle des Kindes als eben auch der meiner von heute – und dem Zulassen können/dürfen derselben und auch prüfen der Bewertung der Situation (bzw. auch schauen wie bewerten das andere, „normale“ Leute – auch z.Bsp der Therapeut)

Dieses Kind von damals sieht mir da in die Augen und macht mir die MB-Situationen „zum Geschenk“ – das klingt jetzt sehr makaber – aber es geht dabei nicht so sehr um die Situationen – es geht darum, dass mir dieses Kind sich selbst zum Geschenk macht, sein Innerstes, sein Fühlen und Denken in den dunkelsten Momenten seines Lebens. Das was es immer zu Verbergen galt – komme was wolle – denn auch nur einen Hauch davon zu zeigen wäre lebensgefährlich.

Die letzten Tage wurde für mich klar, es wäre ganz schlimm für mich – wenn man dieses Kind jetzt in Sicherheit brächte – und das wiederum fand ich von mir ganz entsetzlich.

Doch mittlerweile weiß ich warum: in diesem Moment geht es nur um das Gefühl dieses Kindes, um sein Innerstes, nur um dieses Kind allein.

Ein in Sicherheit bringen würde bedeuten: in diesem Moment würde wieder etwas anderes im Vordergrund stehen, vor den Gefühlen des Kindes. Auch wenn die Sicherheit sicher was gutes ist. Doch wieder würden die Eltern wichtiger sein als das Kind – denn ohne die Eltern bräuchte man es nicht in Sicherheit bringen.

Da es in diesen Situationen unter EMDR nicht mehr um die Sicherheit geht (die Situationen sind sozusagen nur noch der „Einstieg“ – sobald es dann um die Gefühle geht ist die Situation zweitranging – außerdem geht es um den Kontakt der Erwachsenen heute und dem Kind – und damit ist auch zu jeder Zeit klar: das passiert nicht jetzt – es ist damals passiert und Vergangenheit – und heute darf/kann ich mir das ansehen – eben weil ich in Sicherheit bin), noch nicht mal so sehr um die Situationen an sich (wobei die schon eine große Rolle spielen) – aber es geht hauptsächlich nur um die Gefühle.

Das Gefühl, das das „sehen“ dieser Situation auslöst – für mich heute – und auch ein trennen. Denn wenn ich das bei einem x-beliebigen Kind sehen würde, würde ich sofort auf die Barrikaden gehen und ALLES für dieses Kind tun, wenn es aber „ich“ bin – habe ich sehr zu kämpfen dem Kind nicht negativ gegenüber zu stehen – denn es handelt sich ja um „mich“ und ich bin sicher ein „Monster“. Das ist mir schon klar, dass das nicht so ist – aber wenn ich so eine Situation aufgreife, bin ich da immer auch ein Stück weit in diesem Niedermachen drin.

Ziel ist da also für mich, dem Kind, das ich damals war und das da in diesen Situationen steckt – genauso hilfsbereit gegenüber zu stehen – wie jedem x-beliebigen Kind (und ich kenne auch ein oder zwei Kinder heute, die ich wirklich nicht mag – so gar nicht – und selbst für die würde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen, wenn ich wüsste die wären in solch einer Situation – weil das mit „mögen“ nichts zu tun hat).

Und es geht um das Gefühl des Kindes damals – das es ins Innerste verbannen musste, weil jede Gefühlsäußerung schlimmste Folgen hatte. Das gar nicht fühlen durfte.

Deshalb dürfte im Moment keines der Kinder in Sicherheit gebracht werden – weil es darum nicht geht und weil es nur ein „gut gemeint“ wäre, was ihnen schaden würde. Denn damit würde das Geschenk dieses Kindes, das Zeigen des Innersten, wieder als ein „nicht so wichtig“ abgestempelt – denn es gäbe wichtigeres – z.Bsp es in Sicherheit zu bringen.

Und es wäre wieder ein „überstülpen“ – ein einfach Handeln ohne zu fragen ob das Kind das will – denn die Aufmerksamkeit beim in Sicherheit bringen wäre immer noch bei der Situation (aus der man ja weg muss) und dem wohin (den sicheren Ort vorstellen usw) – aber nicht beim Gefühl dieses Kindes.

Irgendwann, wenn das Kind wirklich glauben kann, dass es nur um es geht, ist sicher ein in Sicherheit bringen dann auch in Ordnung. Ob es dann noch nötig ist – ist eine andere Sache.

(und so eingeschränkt tippen ist echt langsam seufz)

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