Alltäglichkeiten

Gestern nicht ausgerutscht oder gestolpert – nur einmal hingekniet und das Knie streikt – warum auch immer, es hatte sich verhakt und ist jetzt dick und unleidlich – sehr unleidlich. Es mag sich nicht strecken lassen und auch beugen ist nicht in ihrem Sinn, fühlt sich nach Bändern an – nur hab ich nicht den leisesten Schimmer was die gestört haben könnte – also sind es die wohl nicht. Und Phyiso ist natürlich erst wieder im Januar (und Arzt schieb ich erstmal noch, das schaff ich grade einfach nicht, Sportsalbe, schonen und Krücken müssen reichen). Also auch zu Hause die Krücken – bei jedem Schritt (da merkt man erst wie schön das ist, wenn es wenigstens da ohne geht).

Müllproblem – ich schaffe es nicht den Müll rauszubringen – dazu müsste ich über einen Weg von ca 30 Meter, entweder alles draußen oder aber über eine Treppe und nur ca 10 Meter draußen. Über die Treppe schlecht – jetzt mit zickendem Knie noch mehr, da Krücken und Müll keine gute Kombination ist. Vor allem müsste ich mehr rausbringen: gelben Sack, ein Karton mit Altpapier, den Küchenmüll und den Eimer der Katzen. Doch selbst einzeln – diese 10 Meter im Schnee sind schon nicht zu schaffen. Panik pur und so stand ich schon mehr als einmal an der Haustür und bin fast in Tränen ausgebrochen, nur weil ich diese popeligen paar Meter im Schnee nicht hinkriege (und dann gleich Horrorszenarien vor mir sehe, dass ich hier im Winter im Müll ersticke, weil ich ihn nicht rausbringen kann). Mal sehen ob ich dieses Problem mit dem Betreuer geregelt kriege.

Eigentlich sollte ich dringend einkaufen – nicht viel – mir fehlt Brot und ich hab die Eier dummerweise verschüttet statt sie zu verarbeiten. Auch für Weihnachten hab ich nichts, doch das ist Nebensache, denn da muss es ja nichts besonderes sein (und die Tiefkühle ist gefüllt). Doch auch hier: der Schnee – da helfen auch keine Schuhspikes, denn man muss ja vom Parkplatz in den Laden – und jeder kennt diese nassen und glatten Böden in den Eingangsbereichen – Spikes klappern und helfen da nicht und es ist rutschig ohne Ende (gerempelt wird auch als würde morgen die Welt untergehen). Und wichtiger ist es da den Müll rauszubringen – also muss ich improvisieren und das Einkaufen ist gestrichen.

Gestern hat der Postbote 2 Pakete vor den Schuppen gelegt, weil ich nicht da war. Dieser Schuppen ist es, zu dem ich den Müll bringen sollte – also konnte ich bisher auch die Pakete dort nicht holen. Dabei hab ich nur von einem eine Vermutung über den Inhalt (und das würde mich schon sehr freuen – es sollte nämlich das Eckregal fürs Bad drin sein) – aber keine Chance. Ich hab es gestern erst am Abend mitbekommen, als ich die Post geholt hab – da lag schon Schnee. Geschippt wäre ja, aber das lässt sich hier im Moment nur so machen, dass eben doch noch festgetretener Schnee da pappt.

Ich hab Mühe nicht in ein „Versagensgefühl“ reinzurutschen – es sind Kleinigkeiten – und doch schaff ich es einfach nicht, es kostet unendlich viel Kraft und es ist frustrierend zu merken, dass die Angst doch immer wieder mal gewinnt. Egal wie sehr man daran arbeitet, sich bemüht und auch dranbleibt. Egal wie irrational das ist – in diesem Moment übernimmt das Gefühl das Kommando und steuert den Körper – der einfach nur erstarrt und sich weigert einen Schritt zu machen. Trotz Schuhspikes und Eiskralle an den Krücken. Und manchmal ärger ich mich dann über mich selbst, dass ich es nicht lassen kann und es immer und immer wieder versuche, mich immer und immer wieder zur Haustür hochquäle um dann wieder unverrichteter Dinge umkehren zu müssen.

Der Schnee – ich mag ihn, wenn ich von drinnen nach draußen schaue und er wie eine weiche Haube da liegt und in der Sonne glitzert. Doch er ist für mich im Moment ein unüberwindliches Problem (und es hilft grad gar nichts zu wissen, dass das jedes Jahr so ist und sich dann mit der Zeit auch so weit gibt, dass ich es schaffe, den Müll rauszubringen und auch einzukaufen – aktuell scheint mir das weit weg und auch hier übernimmt das Gefühl das Kommando).

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