Grübeleien

Eigentlich würde ich lieber schlafen oder zumindest mit einem guten Buch (und da hab ich grad ein paar) gemütlich im Bett den Tag ausklingen lassen würde.

Eigentlich – denn in Wirklichkeit überlege ich und grübel ich hin und her.

Das ewige Thema: Betreuung – das ich selbst schon nicht mehr hören kann und vor allem – es scheint ja nun auch zu klappen – ein ganzes Jahr soll bewilligt sein (bisher leider nur mündlich) – und damit endlich Ruhe einkehren.

Eigentlich – denn in mir sieht das anders aus. So sehr ich mich freue, dass der Ämterkram jetzt erledigt scheint – muss ich mich jetzt dem Problem stellen, ob ich mit diesem Betreuer zusammenarbeiten kann.

Nach der Aussprache Anfang letzter Woche hat sich was geändert – er bemüht sich – naja – mehr oder weniger. Ich hab mich ja zu der Großaktion überreden lassen und so sehr ich mich über die aufgeräumte Wohnung freue, merke ich es ist ein Problem – noch nicht mal so sehr das annehmen (das auch – aber auf anderer Ebene), sondern das schlechte Gewissen, wenn ich feststelle, dass ich mit dem doch nicht weiter arbeiten will.

Vorhin schoss mir ein Gedanke durch den Kopf – der fast schon eine Entscheidung sein könnte: wir haben nicht die gleiche Wellenlänge. Mir fehlt das miteinander, eine Art zwischenmenschliche Basis, ein Verstehen.

Er vergleicht Äpfel mit Birnen, hat sicher selbst keine schöne Kindheit gehabt und setzt das gleich mit meiner. Oder erzählt mir, dass andere auch Schwierigkeiten im Leben hinnehmen musste.

Das weiß ich alles und es vermittelt ein Gefühl von: stell dich nicht so an, du mußt das trennen und dann läuft das schon.

Ihm fehlen die Grundbegriffe der Traumatherapie, der posttraumatischen Belastungsstörung und ich hab das Gefühl, dass ich es nicht erklären kann.

Denn ich erkläre – und fünf Minuten später (oder spätestens beim nächsten Termin) kommt wieder ein: ich versteh nicht was da für dich schwierig ist. Dabei bemüht er sich schon es zu akzeptieren – keine Frage.

Ich habe das Gefühl mich ständig rechtfertigen zu müssen und vor allem – ständig auf der Hut sein zu müssen – bremsen zu müssen – und leider ist das auf Dauer kontraproduktiv. Denn Druck mach ich mir schon selbst genug, Vorwürfe auch – da ist das nicht hilfreich.

Immer wieder schleicht sich der Gedanke ein, den alten Betreuer anzurufen und zu fragen, ob er sich vorstellen könnte, dass wir doch weitermachen. Dabei weiß ich, dass das auch nicht das Ideale wäre.

Heute Abend merke ich – dass es sich falsch anfühlt – so wie es jetzt läuft, dass es nicht nur ein „wir müssen uns noch zusammenraufen“ ist – ein Zeit geben und kennenlernen, sondern das dieser feine Faden fehlt, den man spürt wenn man mit jemanden arbeitet und es eine gemeinsame Basis gibt.

Wir wollen unterschiedliches – und es fehlt dieses Minimum an Vertrauen, Vertrauen darin, dass er meine Grenzen achtet, dass er sie auch erkennen lernt, dass er nicht im falschen Moment „losspringt“ und vorprescht, dass er grade in schwierigen Momenten auch nicht erkennt, wenn er liebe den Mund halten sollte oder etwas sagen und mir fehlt die Bereitschaft sich das nötige Hintergrundwissen anzueignen.

Heute war auch eine Sache, die ich mit ihm klären muss – doch das ist etwas persönliches und ist mehr ein Punkt am Rande, wichtig, wenn wir weitermachen, aber vom Gefühl her weiß ich nicht.

Deshalb wird es morgen anders laufen – wir werden nicht in der Wohnung was machen (wollten ja Schränke usw mal durchgehen und umstrukturieren), sondern uns hinsetzen und nochmal reden. Entweder wird es ein „nein“ oder ein „wir schauen nochmal einen Monat“ – in beiden Fällen möchte ich dann mit dem Koordinator reden – denn den Fehler das „nur“ mit dem Betreuer zu klären mach ich nie wieder – die Koordinatorin des alten Betreuungsvereines hat sich da so auf den Schlips getreten gefühlt, dass da viel schief gelaufen ist. Außerdem muss ich wissen, was es an Alternativen gibt. Und dann evt. mit dem alten Betreuer sprechen – und mal klären ob denn da eine weitere Zusammenarbeit überhaupt denkbar oder in Frage käme (ihm vertraue ich da deutlich mehr und es hakte da ja immer nur an einer Sache – und das liegt auch an mir – da müsste ich zusammen mit ihm klären ob wir diese eine Sache eben irgendwie lösten können).

Vielleicht reicht es schon eine Alternative zu haben – zu wissen es gibt andere Möglichkeiten, damit ich das mit dem aktuellen Betreuer doch noch hinkriege.

Vorwürfe mach ich mir, weil wir grad mal 2 Wochen zusammenarbeiten, das ist noch keine Zeit – und es ist für mich sehr ungewöhnlich so schnell aufzugeben. Es schlägt auch in die Kerbe die die eingeschnappte Koordinatorin geschlagen hat: ob ich denn wenn ich feststelle, dass ich mit dem Neuen auch nicht zurechtkomme, in 3 Monaten wieder wechseln würde. Doch so wie es aktuell läuft – ist es keine Erleichterung für mich. Und ich möchte auf keinen Fall, dass das nur eine Art „Fahrdienst“ wird, nur weil ich mich sonst auf nichts einlassen kann, weil das Vertrauen fehlt.

Vertrauen fällt mir schwer – keine Frage – ich erwarte auch nicht, dass ich ihm da voll vertraue oder so – aber zumindest dieses kleine bisschen, dass er ein „Stopp“ einhält und dann sein Temperament im Zaum halten kann – dass er – wenn ich in einer sehr angespannten Situation bin – diese nicht weiter verschlimmert (denn um angespannte Situationen geht es in der Betreuung fast immer – schließlich soll ich ja grade das da auch lernen, damit umzugehen und eben Lösungen zu finden die sie handhabbar machen – und üben, üben, üben – bis ich dieses Sicherheitsnetz, dass die Betreuung bietet nicht mehr brauche). Dieses Sicherheitsnetz kann der aktuelle mir aber nicht bieten – und es sollte wenigstens eine Leine schon gespannt sein nach 2 Wochen.

Das Schlimme ist – ich glaube nicht dass er das nicht will – sondern dass er es nicht kann – dass er es gut meint – aber darüber eben nicht sieht, dass auch das gut gemeint verletzend sein kann.

Eigentlich fürchte ich, ist in mir schon eine Entscheidung gefallen ist. Morgen werde ich nochmal das Gespräch suchen und davon abhängig machen ob es nochmal eine Galgenfrist gibt oder eben nicht mehr.

Verschieben möchte ich das nich
t – auch wenn der Januar dafür günstiger wäre, da ich ja bis dahin mit genug anderen Sachen zu kämpen hätte. Aber es erschiene mir falsch – und unfair dem Betreuer gegenüber.

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