***Erinnerungen***

Ich hatte ja das unglaubliche „Glück“ nicht nur einen Vater zu haben, der übergriffig ist, nein dieser Vater wurde auch noch von meiner Mutter haushoch geschlagen wenn es darum ging, einem Kind zu schaden.

Meine Mutter ist krank – sie lebt in ihrer eigenen Welt. Dummerweise in einer Art und Weise, dass das andere Menschen nicht mitkriegen. Sie ist unglaublich geschickt darin zu manipulieren. Sie konnte – und kann – jemanden innerhalb von 2 Wochen klar machen, dass der Himmel grün und das Gras blau ist.

Leider gibt es dafür unzählige Beweise (auch bei Menschen, die davon wußten)

Alles was nicht in ihr Weltbild passte, wurde passend gemacht. Ob dabei die Wahrheit verdreht wurde – war egal.

Schon sehr früh lernten wir in drei Welten zu leben:

1. Die Welt innerhalb der Familie, mit alltäglichem Psychoterror, Angst und Missbrauch (v. a. auch emotionalen)
2. Die Welt der heilen Familie nach außen – das oberste Ziel meiner Mutter war das Bild der heilen Familie nach außen – wer sich nicht daran hielt, machte das nur einmal und dann nie wieder
3. Die Welt meiner Mutter, völlig unberechenbar und für sich selbst darauf aus, den Schein der „heilen Familie“ zu erfüllen – da es keine „heile Familie“ wie sie sich das vorstellte gibt, geschah das über absolute Kontrolle (was natürlich überfordernd ist – vor allem bei so vielen Kindern und deshalb mit unberechenbaren Ausbrüchen von ihrer Seite gekoppelt)

Als ich vier war, erweiterte sie ihr Repertoire – ich fing wieder an einzunässen und hatte häufig Blasenentzündungen (vermutlich ausgelöst vom Missbrauch) – und musste häufig ins Krankenhaus. Dort bekam sie sehr viel Aufmerksamkeit, als Mutter, mit so vielen Kindern (ich hab sehr viele Geschwister) und dann auch noch „geschlagen mit einem kranken Kind“.

Diese Aufmerksamkeit wollte sie nicht wieder missen und deshalb „entwickelte“ sie das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, das sie an mir auslebte.

Vom 4. bis zum 15. Lebensjahr war ich mindestens einmal die Woche (zeitweise sogar dreimal die Woche) im Krankenhaus, mindestens einmal im Jahr für ca 3 Wochen stationär – und zwar jedesmal in der Urologie.

Sie ist nie so weit gegangen, dass es wirklich gefährlich wurde. Das brauchte sie auch nicht – es reichte, dass es chron. war und sie ihre wöchentlichen Dosen bekam (wichtig war da vor allem die Aufmerksamkeit und das Mitleid/Mitgefühl von Nachbarn und Co). Und so sorgte sie dafür, dass ich krank wurde.

Sie ging damit hausieren, was vielleicht das Schlimmste dabei war. Denn es war mir unendlich peinlich, dass sie jedem erzählte, wie oft ich zur Toilette ging, wie mein Urin aussah oder dass ich eingenässt habe. Spätestens in der Schule ist das nämlich gar nicht mehr lustig.

Mit ihr und den Erinnerungen an das was ich mit ihr erlebte, hab ich bei weitem mehr Probleme, als bei meinem Vater. Das war irgendwie klar – ich hab gute und negative Erfahrungen, aber sie waren klar und strukturiert.

Bei meiner Mutter war es immer unberechenbar, war man den ganzen Tag brav (im Sinne der Mutter) war man dennoch nicht sicher, denn sie konnte etwas altes ausgraben. Den ganzen Tag war man am ausloten, welcher Stimmung sie ist – denn die konnte sich von jetzt auf gleich ändern.

Ich war den ganzen Tag auf der Hut und ich Hab-Acht-Stellung – um irgendwie zu überleben.

Das Schlimme daran ist – ich hatte nicht nur Geschwister, sondern auch Pflegeschwestern. Außerdem gab es unzählige Tageskinder bei uns. Wir waren die „Vorzeigefamilie“ nach außen hin. Die Tageskinder waren denke ich „sicher“ – das wäre auch „zu gefährlich“ gewesen, die hätten ja zu Hause etwas erzählen können.

Der Altersunterschied zwischen ältestem Bruder und Jüngstem ist sehr groß (30 Jahre) – ich war auch lange Zeit ein „Nachzügler“ – erst als ich 10 war, kamen kleinere Pflegeschwestern und als ich 15 war noch ein leiblicher Bruder (und eine weitere Pflegeschwester im Kleinkindalter) – so erlebte ich natürlich auch, das ältere Geschwister auszogen (alle bis auf einen ja so schnell es ging) – und wenn jemand auszog – musste jemand „neuer“ nach – schon als Kinder nannten wir das „Frischfleisch“ – auch wenn uns das damals nicht so klar war.

Es waren sehr viele Kinder, die von meinen Eltern kaputt gemacht worden sind.

Und das tut weh.

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