Grund

Morgen will der Betreuer hier in der Wohnung Grund reinkriegen. Wir haben uns – nach langem Wehren von meiner Seite – dazu entschieden, dass er das erstmal alleine macht und ich gehe und wir dann den Rest gemeinsam machen bzw. die restl. Zeit bis Ende Dez. nutzen um hier nochmal die Struktur zu überprüfen – also ob Schränke umgeräumt werden oder etwas umsortiert wird usw. Außerdem um dann auch die Ecken zu machen, die man sonst nicht macht – Schränke wegrücken usw.

Noch fühl ich mich damit nicht wohl – aber wenn ich davon ausgehe, dass ich dann ab Jänner alleine klar kommen muss, sehe ich darin die größte Chance, dass ich es dann auch wieder – zumindest einige Zeit – alleine hinbekomme.

Und gemeinsam mehrere Großräumaktionen würde ich weder körperlich noch psychisch grade schaffen.

Es ist eine Art Kompromiss für mich – sozusagen das „kleinere Übel“. Das mag eigenartig klingen, viele würden sich freuen, wenn da mal jemand kommt und für einen räumt.

Für mich ist das eher ein Problem. Doch in Anbetracht der Umstände ist es sinnvoller daran zu arbeiten, dass ich das annehmen kann (nur psychisch ein Problem), als mit dem „gemeinsam machen“ eine hoffnungslose körperliche und psychische Überforderung zu riskieren – denn dann kann ich das alleine definitiv nicht halten.

Das Annehmen können ist schwierig – es hat was damit zu tun, dass ich mir eingestehen muss, dass ich es eben grade nicht hinbekomme und das obwohl es ja etwas ist, was fast jeder hinkriegt. Es kommt das Gefühl des Versagens dann sehr in den Vordergrund – und natürlich auch die Scham – dass ich als erwachsene Frau, die keinem Beruf nachgeht und ja eigentlich genug Zeit hätte „das bisschen Haushalt“ so gar nicht hinbekomme.

Da nützt es auch gar nichts wenn ich all die Gründe für weiß und ja auch die Bemühungen sehe. In dem Moment seh ich nur: ich hab es nicht hinbekommen.

Wenn dann wieder Grund drin ist – hoffe ich, dass ich es so lange halten kann, bis die Betreuung dann im neuen Jahr wieder anlaufen kann.

Es gibt im SGB einen Paragraphen, dem sich auch der Landkreis auf Dauer nicht entgegenstellen kann. Ich weiss das alles auch – und auch, dass keiner versteht, warum die sich querstellen und dass sie, wenn wir es drauf ankommen lassen, auch keine Chance hätten mir die Betreuung zu verweigern.

Fakt ist – sie machen es – wir legen Widerspruch ein und nach ein paar Wochen oder Monaten kommen sie an und bieten wieder ein halbes Jahr an, wenn wir den Widerspruch zurückziehen.

NICHT hilfreich finde ich die Aussagen des Koordinators wie „in 25 Jahren ist mir das noch nie untergekommen“ oder ähnliches. Ich weiß, dass ich diesbezüglich ein ungewöhnlicher „Fall“ bin, ich weiß auch, dass die alle sich bemühen, es wäre nur nett, wenn mal jemand dann einfach eingestehen würde, dass ich nicht überreagiere und nur pessimistisch bin, sondern es einfach schwierig und unverständlich ist – und einfach mal ernstgenommen wird, wenn ich eben nicht einfach davon ausgehe, dass das schon klappen wird (schlicht weil es noch nie einfach geklappt hat, von den 6 Malen in den letzten eineinhalb Jahren – nur was die Betreuung angeht – war es grade 1 Mal dass es recht problemlos geklappt hat – auch nur weil das bei dem Mal davor schon fest abgesprochen und zugesagt war und es ja nur um eine Erhöhung von 2 Stunden für den Zeitraum des Umzuges ging – die sie eben nicht generell bewilligen wollten).

Tut nicht immer so, als würde ich mir das nur einbilden oder hätte nur auf die „falschen“ Leute gesetzt, weil die sich dann nicht ausreichend eingesetzt hätten – das ist nicht so – ich bin dankbar, dass sich meine Ärzte und Therapeuten da so reinhängen und viel Zeit und unzählige Schreiben, Telefonate und Treffen investieren. Genauso wie ich sehr froh bin, dass die Koordinatoren sich da bemühen. Und dass ich eine gesetzliche Betreuung für Behördensachen habe – weil ich das alles gar nicht schaffen würde.

Fakt ist: wir tun alles menschenmögliche und der Landkreis hängt sich an einer formalen Sache auf – die für mich leider nicht anders regelbar ist. Und das ist nicht nur dort so, sondern generell – und dafür gibt es unzählige Gutachten.

Und weil ich erstmal nur im Dezember noch die Betreuung habe (und die ja erst jetzt angefangen hat) muss ich die Prioritäten ändern: Wohnung steht im Vordergrund, bis Ende Dezember muss da wieder Struktur und Grund rein und möglichst auch eine sinnvolle Anpassung (ist ja immer noch so, wie ich es damals nach dem Umzug eingeräumt hat, manches davon ist eher – suboptimal – und könnte sinnvoller platziert werden) – damit es auch einfacher wird – das ganze zu halten.

Da muss ich Phyiso, Freizeitaktivitäten und Angsttraining einfach mal etwas schieben und vernachlässigen.

Und ich werde jetzt ins Bett gehen und mich bemühen, mich wegen dem Angebot des Betreuers morgen nicht noch mehr verrückt zu machen.

Hey – es ist ein Gottes Geschenk – ein ernstgemeintes Angebot, dass eine Chance bietet – und es kommt von Herzen – also darf ich das auch annehmen.

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