steinig

Vorgestern in der Thera haben wir das Thema vom Freitag noch einmal aufgegriffen.

Es geht dabei um eine Missbrauchssituation, die klar macht, warum das Zulassen oder Zeigen (und sei es nur durch ein Zucken) von Gefühlen – zu etwas sehr schlimmen gemacht wurde – aber auch, dass viel verdreht wurde.

So wurde der Missbrauch z. Bsp. auch als Trost deklariert.

Für mich ist es nahezu unmöglich Trost anzunehmen. Es ist ganz tief in mir verankert, dass ich für alles was ich bekomme, irgendwann zahlen muss. Manchmal ist der „Preis“ gerechtfertigt, aber manchmal ist er auch einfach zu hoch.

Schon früh habe ich gelernt, dass ich niemandem vertrauen darf – schon gar nicht den Eltern. So etwas wie Urvertrauen hab ich nicht. Es gibt keinen Menschen, dem ich absolut vertraue. Mittlerweile hab ich zwar gelernt bis zu einem best. Punkt Vertrauen aufzubauen – doch ich fürchte, dass ich da über diesen gewissen Punkt nicht hinauskommen werde.

Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass ich nie „normal“ sein werde – ich werde immer ein Außenseiter sein, immer am Rand der Gesellschaft leben. Nicht weil die Gesellschaft so ist – sondern weil ich einfach bin wie ich bin. Nähe zuzulassen ist nahezu unmöglich.

Ich kann ein guter Freund sein, aber keine Partnerin, nicht weil ich keine Karriere vorzuweisen habe, keine Familie (und ich möchte kein Kind, denn abgesehen davon, dass ich nicht in der Lage wäre dafür zu sorgen, steckt zu viel von meiner Mutter in mir – und das will ich keinem Kind antun – nicht mal in Ansätzen!), sondern weil ich mich auf niemanden wirklich einlassen kann. Ohne dieses „einlassen“ gibt es keine Partnerschaft.

Ohne Karriere oder Familie fällt es „nur“ schwer Leute kennenzulernen, denn es ist eine der ersten Fragen, die man beim kennenlernen stellt: und was machst du so? Als – junger – Frührentner schreckt man da ab.

Natürlich kann niemand sagen was die Zukunft bringen wird (wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich heute da stehe wo ich stehe – hätte ich nur müde gelächelt), doch ich denke, das ich manche Dinge nicht mehr nachholen kann. Dieses verlorene Grundvertrauen kann mir keiner wieder geben und das kann ich mir auch nicht wieder „erarbeiten“.

Das heisst jetzt nicht, dass ich nicht glücklich werden kann oder ein erfülltes Leben leben kann – darauf arbeite ich hin und ich hoffe doch sehr, dass ich das auch mal erreichen werde.

Es ist sicher noch ein langer und steiniger Weg – doch mein Schuhwerk ist gut und ich weiss, dass ich Hilfe habe auf die ich mich verlassen kann. Deshalb sehe ich dem Weg recht gelassen entgegen.

Also weiter geht’s!

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