haushalten

Wenn ich so überlege was zur Zeit in mir und auch an äusseren Umständen so los ist, geht es mir dafür richtig gut.

Es ist eh immer relativ – vor zwei Jahren war „gut“ noch, wenn ich den Tag überlebt hatte, die Wohnungssituation war für mich der Horror und ich war den ganzen Tag mit Skills beschäftigt (da ich die auslösende Situation damals nicht ändern konnte, war das ein 24-Stunden-Job).

Nach dem Umzug brauchte ich eine neue Skala – denn das was vorher „gut“ oder auf der Skala von 1 – 10 eine 10 (für gut) war, war plötzlich am anderen Ende (minus 5?) – und gar nicht mehr auf der Skala drauf. Da waren einfach Welten dazwischen – denn endlich konnte ich was gegen die auslösende Situation machen.

Als passte ich die Skala etwas an. Was für andere „gut“ oder „schlecht“ heisst, bedeutet für mich wahrscheinlich ganz was anderes.

Gut ist nicht: alles ideal und problemlos – nein für mich bedeutet „Gut“ – es ist handhabbar, ich kann damit umgehen, kann es auch wegpacken, wenn ich etwas anderes machen muss oder möchte – und zwar ohne groß auf Skills zurückgreifen zu müssen.

Gut heisst auch nicht das alles klappt – grade die Wohnung klappt im Moment gar nicht.

Wenn ich also eine Skala von 1-10 heute anschaue, würde die etwa so aussehen:

1-3 – schlecht
4-5 – mittel
6-10 – gut

und zwar im Schnitt, da gehören rein: kräftemäßig (sowohl körperlich als auch psychisch – für mich zwei völlig verschiedene Dinge), schmerztechnisch, wie mobil bin ich, wie schaffe ich den Alltag/meinen Haushalt/meine Termine mit ihren Anforderungen, wie gut gelingt es mir „abzuschalten“ und vor allem:

wie gut gelingt es mir das Gleichgewicht zu halten zwischen auf mich achten, meine Grenzen wahr nehmen und wahren und sie dennoch auch auszutesten, da sie sich ja ständig ändern

Insofern ist auch ein „gut“ von mir nicht gleich einem „gut“ – mal klappt das eine besser, mal das andere.

Nur weil ich grad psychisch mehr zu knabbern habe, bedeutet das nicht, dass hier sonst nichts mehr zählt. Genauso wenn ich mich körperlich kaum rühren kann und die Schmerzen heftig sind – das ist kein Grund gleich zu verzweifeln.

Im Moment gibt es viele Unsicherheiten, teilweise geht es da um die Existenz (finanziell) – das kostet viel Kraft – und ist sicher etwas das ganz und gar nicht gut ist oder tut.

Das bedeutet aber nur, dass ich von dem Pott was an Energie, Kraft, Reserven da ist im Moment viel in diese Richtung fließt und ich deshalb für andere Dingen weniger davon zur Verfügung habe.

Aber das weiss ich und kann entsprechend schauen, dass ich bewusster drauf achte nicht noch an anderer Stelle viel Kraft zu investieren – da muss ich dann halt Abstriche machen.

Und ja – dann läuft es halt in der Wohnung nicht gut, ein anderes Mal ist es dann der Sport oder in der Therapie oder was weiss ich.

Es ist ein haushalten mit dem was da ist.

Vielleicht bedeutet gut für mich dann eher: je nachdem wie mir das haushalten mit den Kräften gelingt.

Es gibt die Zeiten, in denen dann nicht nur der Haushalt liegen bleibt, sondern ich meine Kräfte aufbrauche in dem ich nur eine Sache mache – sei es dann eben aufzustehen, duschen, essen machen oder weil ich mich verzettel und wieder mal die halbe Wohnung umstelle (oder auf einmal aufräume) und damit deutlich mehr mache, als mir gut tut. Da geht es dann darum auf mich zu achten.

Und leider hab ich keine genaue Tankanzeige wie ein Auto (und auch keinen gleichmässigen Verbrauch zum „nachrechnen“) – ich muss hinhören, hinschauen und drauf achten, was der Körper mir da sagt – das ist nicht immer leicht, wenn man seinen Körper eigentlich zum Mond schiessen möchte.

Doch im Moment funktioniert es. Irgendwann werden sich die Umstände klären und dann kann und muss ich diese Kräfte und Energien in die Wohnung stecken, denn die ist da in der Priorität – logisch – mittlerweile ziemlich weit oben.

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