„Wie geht’s dir?“

Das ist ja so eine Frage die mich oft ärgert. Die meisten wollen eh nur ein „gut“ hören oder warten erst gar keine Antwort ab.

Einige Wenige möchten wirklich wissen wie es geht – und da ist das antworten oft auch nicht so einfach. Ich zähle nämlich zu den Menschen, die da ehrlich antworten.

Wenn es mir nicht gut geht – sage ich das auch, je nach dem wer fragt auch mal geschönt: geht so, könnte schlechter sein, ging schon mal besser, usw.

Nur „ganz schlecht“ – sage ich seltenst – einfach weil ich mir das selbst nicht eingestehen will. Wenn wirklich großes Chaos kommt meist ein „ich lebe noch“ – und überlasse es dem Gegenüber zu schauen was er daraus macht.

Am Schlimmsten finde ich diese Frage aber, wenn ich es einfach selbst nicht weiss.

Es gibt Tage, da fühle ich mich so zwar nicht so schlecht, weiss aber dass es mir schlecht geht, weil ich Verhaltensweisen an den Tag lege, die genau das zeigen – das sind die Tage, an denen ich einfach so vor mich hinlebe und erst gar nicht anfangen will mich mit mir selbst auseinander zu setzen.

Zur Zeit gibt es wieder mal diese Phase – ich merke, dass ich davonlaufe, mich ständig beschäftige und damit hoffnungslos überfordere – vor allem körperlich. Stelle fest, dass Kleinigkeiten kleine Krisen auslösen – nur sehr kleine, aber es zeigt, dass der Boden unter mir wackelt. Ein Satz im Fernsehen kann Tränen auslösen, eine angebrannte Sosse ebenso (und das ist leider ein Zeichen dafür, dass ganz dringend ein STOP angesagt ist, ich meine Grenze doch deutlich erreicht hab und eher drüber bin).

Das alles sehe ich, nehme es wahr, verstehe es, kann es „lesen“ und doch krieg ich kein Stop hin (was wiederum zeigt, dass ich die Grenze bereits hinter mir gelassen hab) und laufe weiter davon – nur um mich nicht mit mir auseinandersetzen zu müssen. Ausserdem fühlt es sich nicht schlimm an.

Vermutlich machen das die meisten Menschen – erst innehalten, wenn der Körper streikt. Doch wenn ich nicht aufpasse, hebelt es mich völlig aus – mit Riesenkatastrophe und im schlimmsten Fall stationärem Aufenthalt – sozusagen einem „Zwangs-Stop„.

All das weiss ich, hab ich – unzählige Male – erfahren, doch etwas in mir weigert sich zu sagen „geht grad nicht so gut“.

Lieber verfalle ich in blinden Aktionismus und warte bis der Körper streikt – endgültig (denn so dieses bisschen streiken tut er ja schon mind. eine Woche).

Also versuch ich Plan B: keine weiteren Termine ausmachen (außer die Standard), keine Extras, nächste Woche nicht unbedingt Nötiges absagen oder verschieben, kein „einfach losfahren um einzukaufen, was zu erledigen, organisieren usw“, keine größeren Aktionen oder Extras – sondern Ruhe, viel Zeit zu Hause, abends wieder bewusste „Auszeiten“ mit Entspannungsübungen und Musik und guten Büchern, früh ins Bett gehen und schlafen.

Und Hoffen, dass sich das alles wieder einpendelt (doch das sehe ich optimistisch wenn ich denn wirklich Ruhe gebe).

Dieser Beitrag wurde unter destruktives Verhalten, Grenzen, kleine Schritte, Leben, Psycho-Somatik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.