Wohnung und Alltag – Teil 1

Es ist ja nun mal leider so, dass ich in der Wohnung nicht immer alles hinkriege. Genaugenommen ist es sogar selten so, dass ich es schaffe. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich vor gut einem Jahr eine Betreuung beantragt habe.

Zum einen schaff ich es körperlich oft nicht so wie ich möchte, aber auch die Psyche macht mir oft einen Strich durch die Rechnung. Schon bei Kleinigkeiten kommt es vor, dass sich dann so ein Druck aufbaut.

Ein Druck mich selbst zu verletzen – und ich muss dann aufpassen, dass es nicht kippt, dass es zu keinen Handlungen kommt und ich dem Druck auch was entgegensetzen kann. Da bleibt dann das was ich eigentlich in der Wohnung machen wollte – zwangsläufig – liegen.

Und wenn das eine Weile so ist, dann kommt irgenwann der Punkt, an dem ich nicht mehr hinter her komme – an dem alles zu viel ist, für mich nicht mehr zu schaffen.

Schon kurz vor dem Punkt wird es schwierig – weil ich es sehe, erkenne und mir damit dann selbst wahnsinnigen Druck mache: „ich MUSS das jetzt schaffen, sonst geht bald gar nichts mehr“ usw.

Mit Hilfe des Betreuers klappte es mehr schlecht als recht. Doch dann kam Ende April das „aus“ – die Betreuung wurde nicht weiter verlängert.

Der Grund: ich würde meiner Mitwirkungspflicht nicht nachkommen

Denn für die Genehmigung hätte ich zum Gutachten gemusst. Nun schaff ich das nicht – es gibt unzählige Gutachten, dass ich nicht begutachtungsfähig bin und ein Termin beim Gutachter eine Retraumatisierung darstellen würde usw. Selbst der deutsche und der österr. Rentenversicherer akzeptiert diese Gutachten.

Aber der Landkreis sieht das anders. Also wurde überlegt, dass wir den Termin mit meinem Therapeuten machen, die Gutachterin dann sieht, dass ich eben nichts sagen kann, nur erstarre und nichts mehr geht – der Therapeut das dann auch klar stellt und die Gutachterin „wegschickt“ und versucht dann das irgendwie abzufangen – inkl. der Option, dass ich dafür dann stationär gehe.

In der Situation wäre es so, dass ich einfach erstarren würde, ich würde dissoziieren, nichts mitkriegen und einfach erstarrt dasitzen – nicht mehr reagieren können. Ich kenn das ja und arbeite ja auch dran, aber die Fortschritte sind sehr sehr klein (zugegeben – es gibt auch andere und dringendere Themen die auch anstehen).

Aber wir dachten, wenn die das dann sieht – dann könnte sie mir nicht mehr vorwerfen, ich wolle ja nur nicht.

Doch dann stellte sich (Gott sei Dank bevor wir das dann auch umsetzen) – dass es nicht darum geht, dass sie das sieht – sie möchte von mir Antworten. Ich muss mit ihr reden.

Nur das geht nicht – mir wäre auch lieber ich würde das hinkriegen.

Das Ende vom Lied war – dass mir wegen Verweigerung der Mitwirkungspflich (begründet darin, dass sie sagten, dass ich ja auch mit anderen Personen wie meinem Thera und Betreuer reden würde – dass es aber um das Gutachten an sich geht war nicht klar zu machen), die Verlängerung verweigert wurde.

Natürlich wurde mir das auch am 30. April gesagt – die Betreuung war bis zum 30. April genehmigt – ich stand also plötzlich vor dem „aus“ (obwohl alle meinten, natürlich würde es weitergehen, der Bedarf sei ja klar – der wurde auch nicht angezweifelt – usw).

Und ich sah mich im Chaos. Ein Jahr zuvor bin ich mit Hilfe aus der alten Wohnung raus und in eine Neue – unter anderem weil die alte Wohnung im Chaos war. Dazu kam, dass es nicht nur Unordnung war, sondern – unabhängig davon – auch viele bauliche Mägel gab, es war eine feuchte Kellerwohnung, in der es z.Bsp nur eine Sicherung für die gesamte Wohnung gab und kein Sicherungskasten für mich zugänglich, der war nur für den Vermieter zugänglich. Eine Sicherung bedeutet aber auch: das Anschalten des Wasserkochers lässt die Sicherung fliegen, wenn der Kühlschrank anspringt, flackert kurz das Licht usw.

Ohne Hilfe bin ich damals in meiner Wohnung schlicht „versumpft“.

Und das sah ich wieder vor mir – denn mir war klar, ohne Hilfe schaff ich es nicht – deshalb hatte ich mir ja – nach großer Überwindung – Hilfe geholt.

Es waren 2 1/2 Monate und ich war entsetzt wie eine Wohnung aussieht, wenn man 2 Monate nichts schafft, vielleicht grad mal was abgewaschen bekommt und irgendwann nur noch versucht, das Chaos nicht noch schlimmer werden zu lassen.

Nach 2 1/2 Monaten kam dann ein Schreiben vom Landkreis, ob wir den eingereichten Widerspruch zurückziehen würden, wenn sie die Betreuung nochmal für 6 Monate genehmigen. Gerechnet ab Mai, nachzahlen dürfen sie aber nicht – also wäre es nochmal für 3 Monate gewesen.

Trotzdem haben wir natürlich zugesagt – hatten eh keine Wahl. Wir konnten erreichen, dass von den verlorenen fast 3 Monaten wenigstens 2 hinten dran gehängt werden – so dass ich jetzt bis Ende Dezember wieder eine Betreuung habe.

Wir – das ist der gesetzliche Betreuer für Behördensachen und ich.

Ich habe also eine gesetzliche Betreuung für alles was mit Behörden zu tun hat und für Wohnungangelegenheiten (habe letztes Jahr darum gebeten, es dafür zu erweitern), ausserdem eine ambulante Betreuung mit im Moment 6 Stunden die Woche.

Das ist ziemlich viel, aber ich merke, dass ich das aktuell auch noch brauche. Damit klappt es dann aber in der Regel auch.

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