Schwimmen

Früher bin ich zweimal die Woche zum Schwimmen gegangen – das hat mir gut getan – auch wenn ich es nur hinkriege, wenn ich den mp3-Player im Ohr habe um die ganzen Leute ausblenden zu können.

Schon vor dem Umzug war das nicht mehr möglich – die Karte war leer und das Geld für den Umzug nötig. Auch seit dem Umzug kann ich mir das selbst nicht wirklich leisten – ich zahle immer noch ab – und das wird auch noch mind. 1 Jahr so weitergehen.

Seit ein paar Monaten schon gehe ich deshalb montags mit dem Sozialzentrum schwimmen – das ist vom KH aus – die übernehmen den Eintritt für eine Stunde und wann immer ich das zeitlich unterkriege (und fahrtechnisch) – versuche ich das wahrzunehmen.

Im Prinzip trifft man sich beim Schwimmbad, trägt sich in eine Liste ein und bekommt dann die Karte. Im Schwimmbad ist man auf sich gestellt (ausser man braucht Hilfe – dann ist eben jemand da, der als Ansprechpartner dient) – und nach einer Stunde guckt der draussen ob alle raus sind. Ab und an hänge ich eine halbe Stunde dran, die ich dann nachzahle – das lässt sich – wenn ich das mit dem dafür Zuständigen abspreche – in der Regel auch machen.

Anfangs hatte ich Angst – vor den Blicken der anderen – oder auch vor dem Schwimmbadpersonal – das mich ja auch vom Sehen kennt – und da dann mit dieser Gruppe – wo klar ist wo die herkommt – aus der Psychiatrie – aufzutauchen – es war schwierig für mich.

Heute sehe ich das lockerer – ich geniesse das Schwimmen – auch wenn die Zeit die gewählt ist, oft ungünstig ist – einfach weil viele Leute da sind.

Vor 3 Wochen etwa ist mein mp3-Player kaputt gegangen – es geht nur noch einer der Kopfhörer – und da bei anderen die Drähte blank liegen – bin ich eher unsicher – trotzdem nehm ich ihn mit – für nächsten Monat wird es – hoffentlich – einen neuen wasserdichten geben.

Denn auffällig ist, dass es ohne gar nicht geht und mit nur einem Ohr zugestöpselt auch nicht so richtig gut (aber besser als ohne) – da kommt dann die Sozialphobie doch voll durch – so ohne Ablenkung und Möglichkeit „die Welt auszusperren“.

Der Umgang mit meinem Körper – im Schwimmbad auch einfach präsent – tut sein übriges um es doch zu einem anstrengenden Unterfangen zu machen.

Aber es geht – im Wasser fühl ich mich wohl und kann das Element auch für mich nutzen. Und deshalb werd ich da weiter mitmachen.

Auch wenn das Aufraffen jedes Mal auf Neue eine Überwindung ist – weiss ich ja, dass ich – sobald ich dort bin – ist auch dieses „überwinden müssen“ weg – und ich geniesse das Schwimmen.

Die große Konfrontation mit der Gesellschaft – als stark übergewichtige Frau, noch dazu mit Krücken rumlaufend – im Schwimmbar – und dann kommt sie auch noch mit der Psychiatrie-Gruppe – eh klar.

Wobei beim Schwimmen tatsächlich das Gewicht deutlich mehr Aufsehen erregt.

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