Festgefahren

Ist mir schon sehr lange nicht mehr passiert – ich hab mich festgefahren.

Schon die letzten zwei Wochen war ich halt viel unterwegs – deutlich mehr als sonst, merkte auch es ist zu viel, ich bräuchte mehr Zeit für mich (schon allein daran, dass ich – wenn ich mal zu Hause war – nichts auf die Reihe bekam als nur rumzuhängen) usw. Doch es hat sich so eingeschlichen.

Dabei kenn ich das doch von früher zur Genüge – das Weglaufen vor dem was eigentlich grad los ist – aktuell – das Weglaufen vor dem Hinschauen und vor allem dem Hinfühlen.

Wir arbeiten in der Thera grad an den Gefühlen, dem wahrnehmen, zulassen usw – das ist schwer -da es für mich mit Negativen gekoppelt ist – durfte es doch früher nie Gefühle geben – Gefühle waren gefährlich – sehr sogar.

Das neu zu lernen ist schwer – das Wahrnehmen klappt ja – aber das Zulassen nicht recht.

Und die letzten Wochen ging es genau darum – wie ich dachte erfolgreich. Zwei der Freitags-Termine waren gefüllt mit Gefühlen – beim letzten war es dann die Sehnsucht und da bin ich auch an meine Grenzen gestoßen – denn sie war so intensiv – und irgendwie ja auch klar, dass sich daran auch heute noch nichts geändert hat – denn die Sehnsucht ist auf jemand gerichtet und es gibt auch heute noch niemanden – dazu fehlen einfach ein paar Grundbausteine – ich könnte es ja gar nicht zulassen. Und das tut weh – sehr.

Dann war der Thera im Urlaub – die Vertretung ist klasse – aber halt wieder mehr in der „Theorie“ – klar – mehr kann er nicht machen in zwei Terminen – es ging eh etwas darüber hinaus.

Und jetzt häng ich wieder in der Theorie fest – ich kann drüber reden, kann es analysieren, sehr das Problem usw – nur komm ich nicht ins handeln – immer wenn es kurz davor ist – flüchte ich wieder in blinden Aktivismus. Das krieg ich mit – werd dann wütend – was ja wieder ein Gefühl ist – und nicht sein darf und ich mach wieder irgendwas Sinnloses – nur zum Ablenken um mich dem nicht stellen zu müssen.

Da bin ich wieder mal festgefahren – der Druck in mir wird größer, ich krieg immer weniger hin im Alltag – ohne dass ich sagen könnte „geht mir nicht gut“ – denn eigentlich geht es grad „gar nicht“ – ich lebe so in den Tag hinein – und damit geht es mir ganz gut.

Vordergründig – denn gleichzeitig wird der Druck mehr, das Abschalten anstrengender und kraftraubender (und davon hab ich eh grad nicht so viel) und meine Unzufriedenheit mit mir und er Welt mehr.

Der Versuch da selbst ein „Stopp“ zu setzen misslang – also werd ich morgen wieder mal versuchen mit dem Thera da rauszukommen – und zwar mehr über das handeln, das tun und nicht das „drüber reden“ – und hoffen, dass er mitmacht und ihm was einfällt dazu (meist ist er da ja sehr erfindungsreich – Gott sei Dank)

Und ich hab die Hoffnung – wenn ich da wieder etwas mehr Spiel habe und wieder „in Bewegung“ komme – klappt es auch mit dem Haushalt und Co wieder besser – und auch das Balance halten zwischen Aktivität und sich Ruhe gönnen. Wird höchste Zeit.

Ärgerlich find ich auch – das mir das immer erst so spät klar wird – das Stopp hätte schon längst passiert sein müssen – aber nein – ich muss ja immer so lange weitermachen und „rumprobieren“ bis einfach kaum noch Reserve da ist (ok aktuell fahr ich noch mit dem Normaltank – nicht Reserve – trotzdem geht der langsam zur Neige)

Und warum dauert es fast 3 Wochen bis ich das wirklich mitkriege? Ist ja nun wirklich nicht neu, war früher mein Alltag – und ist heute – Gott sei Dank – nicht mehr so oft – dennoch – fiel es mir diesmal wirklich deutlich später auf als sonst – das macht mich nachdenklich.

Dennoch – der erste Schritt ist getan – das Eingestehen: „ich krieg das grad allein nicht hin“ – und ich hab ja Gott sei Dank Hilfe – ich muss nur drum bitten (und das fällt auch heute schon deutlich leichter als noch vor ein paar Jahren) – das ist doch positiv.

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